Das Havelland um Potsdam, Werder und den Schwielowsee

Sage keiner, dass es in Brandenburg keine Wandertradition gibt. Die großen Wanderungen vor allem der Germanen oder Slawen hinterließen im brandenburgischen Raum schon früh ausgeprägte Spuren. Allerdings galten deren Wanderungen nicht dem Spaß an der Freude sondern vielfach dem nackten Überleben. Immerhin aber haben die Heveller unserem Havelland seinen Namen gegeben. Nach der Havel, unserem heimatlichen Fluss.  

Wer durch die Mark wandert, hat immer automatisch Fontane im Gepäck - ob er will oder nicht. Denn zu fast jedem Ort oder Landstrich hat der Meister geschrieben, viel Wissenswertes dazu. Theodor Fontane (1819-1898) ist wohl der berühmteste brandenburgische Wanderer. Der gebürtige Neuruppiner, Apotheker, Zeitungskorrespondent und vor allem Heimatschriftsteller und -dichter war überall schon dort, wo unsere Wanderrouten im Havelland hinführen. In amüsanter und lehrreicher Weise hinterließ er eine Riesenfülle seiner Reiseerinnerungen und nannte sie „Wanderungen durch die Mark“.

Unsere Erlebniswanderungen führen uns immer an Orte oder durch Landschaften, die - der Name sagt es - einen hohen Erlebniswert garantieren. Zudem sind die 10-20 km langen Touren thematisch orientiert. So gab es bereits „Wolfswanderungen“, bei denen es um die Besiedlung Brandenburgs mit dem Wolf ging. Wir erkundeten gemeinsam die Geschichte des Ziegeleiwesens in unserer Region. Traditionell sind unsere „Sanddornwanderungen“ durch die Sanddornplantagen. Hierzu muss man wissen, dass sich in Petzow mit der Christine Berger GmbH ein weithin anerkanntes Unternehmen dem Anbau und der Verarbeitung des Sanddornes widmet. Zusammen mit dem Heimatverein Petzow werden die jährlichen Wanderungen organisiert. Unter dem Titel „Alle Vögel sind schon da“ machten wir bereits im Frühjahr und Herbst Ausflüge in das Vogelschutzgebiet am Rietzer See, der Geschichte des Klosters Lehnin galt eine andere Erlebniswanderung. 2015 gab es eine Wanderung zum Thema „Vom Winde verweht“, die sich mit der eiszeitlichen Entstehungsgeschichte unseres Landstriches befasst. Hinzu kommen Wanderungen aus besonderen Anlass. Herausragendes Ereignis dabei war eine Kurzwanderung zu einem in der Nähe gefundenen mittelalterlichen Backofen, dessen Größe selbst gestandene Archäologen überraschte. Da der Fund im Zuge von Straßenbauarbeiten am Straßenrand gemacht wurde, war er nur wenige Tage zur archäologischen Erschließung und Dokumentation sichtbar. Danach wurde er sorgsam versiegelt und mit Erde zugeschüttet. In das zeitliche Loch zwischen Entdeckung und Wiederverschließung stießen wir mit einer Sonderwandertour und unsere Wanderfreunde konnten so einmalige Fotos zur Erinnerung machen. Doch nicht nur Wanderungen in die nähere Umgebung stehen auf unserem Programm. Vieles richtet sich auch an geschichtlichen Bezügen aus und so kommt es schon mal vor, dass wir in Berlin-Wannsee, dem in Groß Kreutz, Deetz oder der eiszeitlich geprägten Landschaft der Glauer Berge bei Trebbin wandern.

Für großes Interesse sorgte unsere Wanderung "Des Königs Frauen" im Frühjahr 2016, wo es u.a. um den preußischen König Friedrich Wilhelm II. und seine besondere Vorliebe für die Damen seiner Zeit ging.

Auch Potsdam ist nicht nur Sanssouci. Potsdam ist eine sich dynamisch entwickelnde Stadt, sie hat gegenwärtig etwa 160.000 Einwohner. Seinen besonderen Reiz bezieht Potsdam seit jeher durch die Schlösser der Preußenkönige, von denen natürlich Sanssouci das bekannteste sein dürfte. Doch es ist auch die einzigartige Komposition von städtischem Raum und historischer Architektur, eingebettet in Wälder, Felder, Wiesen, Seen und Flüsse, die so faszinierend für die Stadt und ihr Umland ist. Potsdams Weltkulturerbe ist täglich für jeden sichtbar, greifbar und: erwanderbar.

In einer reizenden und vom Wasser durchzogenen Naturlandschaft liegen die Ortsteile der Gemeinde Schwielowsee. Besonders reizvoll ist Caputh mit barockem Schloss, Stülerkirche und dem Einsteinhaus (ja, Einstein war hier !). Der alte Fischerort Ferch, als Malerkoloinie von bekannten Künstlern schon früh entdeckt, bietet neben dem Museum der Havelländischen Malerkolonie und einem Japanischen Bonsaigarten als alpines Highlight die Überquerung des 124 Meter hohen Wietkiekenberges an ;-) und das idyllisch am Wasser gelegene Geltow kann mit einem Aktiven Handweberei-Museum und einer über 1000jährigen Geschichte aufwarten. Im zur Stadt Werder gehörenden Petzow, einem traumhaft am Ufer des Schwielowsees gelegenen kleinen Ort mit Schinkelkirche und -schloss betreibt der Heimatverein Petzow e.V. in seinem Waschhaus im Lennépark ein interessantes Heimatmuseum mit einer überregional beachtenswerten Ausstellung zur Kulturgeschichte der Wäschepflege. Werder an der Havel besticht mit seiner vom Havelwasser umgebenen historischen Inselstadt.